primavolta
 
    Blechbläser Edition  
 


Gordon Sherwood
Komponist und Kosmopolit

Ein hagerer, zahnloser Mann, Stoppelhaare, Stoppelbart:

Gordon Sherwood   Gordon Sherwood. Ein Weltenbummler, Lebenskünstler, Bettelmann und – ein Komponist höchst eindrucksvoller Werke. Einer der ungewöhnlichsten und wohl auch unbekanntesten Tonschöpfer der Gegenwart.

Gordon Sherwood (geb. 1929 in Evanston, Illinois, USA) ist Schüler von Aaron Copland, dem Vater der US-amerikanischen Musik, von Philipp Jarnach (Musikhochschule Hamburg; mit einem Fulbright-Stipendium) und von Goffredo Petrassi (Academia Santa Cecilia Rom). Sein Werkkatalog umfasst inzwischen 135 Eintragungen von Kompositionen aller Gattungen (Orchesterwerke, Kammermusik, geistliche Werke). Einzusehen unter www.klassika.info
Das „Schwierige“ an Sherwoods Musik dürfte sein, dass sie in keine „Schublade“ passt. Unverkennbar ist zwar der Einfluss von Komponisten, die während seiner jungen Jahre in der Instrumentalmusik tonangebend waren: Shostakovich, Copland, aber auch Bartok und Gershwin; dazu kommen die Anregungen, die er vor allem im Nahen Osten erhalten hat. Das Ganze ergibt aber nicht einfach Synkretismus, sondern eben genuin Sherwood, dessen Werk von der lebenslänglichen, kompromisslosen Suche nach der „idealen“ Musikgeprägt ist, die sich für ihn in der „Fusion aller Stile“ realisiert.

Bei Gordon Sherwoods Kompositionen ist es nicht ohne Reiz zu wissen, wo sie jeweils entstanden sind. Solche Ortsangaben bei musikalischen Werken sind eigentlich nicht üblich, doch außergewöhnliche Lebenswege erfordern unkonventionelle Formen. Denn Gordon Sherwood ist ein Weltenbummler: In Ägypten war er Filmkomponist, in Kenia verfasste er eine Kaffee-Kantate, am Strand von Goa schrieb er Kammermusik. Und ein Bettelmann: Als ihm das Geld ausging, wurde er „Selbstsponsor“, wie er das selbst einmal genannt hat. In Paris hat er jahrelang tagsüber geschnorrt und abends komponiert. Und damit weitere Reisen finanziert: Nach Indien, nach Japan, nach China und immer wieder auch nach Costa Rica, wo er eine Art zweite Heimat hat, Inzwischen ist er 77 Jahre alt und wohnt in der Diakonischen Einrichtung Herzogsägmühle im bayrischen Peiting.
Lang Jahre war keines der Werke des US-Amerikaners auf Tonträger erhältlich. Das ist jedoch nicht die Folge mangelnder Qualität, sondern erklärbar durch Gordon Sherwoods Untüchtigkeit, sich und seine Kompositionen angemessen zu vermarkten.
Erst 2004 ist eine CD mit Sherwoods erster Sinfonie erschienen. Seinem Klavierkonzert und seiner Sinfonietta – das CD-Debut eines 74-jährigen (cpo 777 012-2). Teiluraufgeführt wurde diese erste Sinfonie übrigens 1957 von den New Yorker Philharmonikern unter Dimitri Mitropoulos in der Carnegie-Hall.

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© Uli Kahmann